Was macht ein Softwareentwickler eigentlich den ganzen Tag? Wenn du dich das auch schon mal gefragt hast, dann lies gerne weiter, denn heute nehme ich dich mit auf eine kleine Reise durch meinen Tagesablauf. Ich schreibe über fachliche Themen, mit denen ich mich heute beschäftigen muss und welche Schritte ich unternehmen muss um meine Aufgaben zu erledigen.
Die Idee zu diesem Beitrag stammt von der Blog-Mitmach-Aktion #WMDEDGT (Was machst du eigentlich den ganzen Tag).
Inhalt
Toggle9:10 Uhr – Tagesplanung
So gegen 9 Uhr fängt mein Arbeitstag gewöhnlich an. Daran merkt man wohl, dass ich Softwareentwickler bin 😉
Nun heißt es erstmal, den Tag zu planen und Aufgaben zu priorisieren.
Mein Lieblingstool zur Aufgabenplanung ist seit mittlerweile fast acht Jahren mein Bullet-Journal. Ja, obwohl ich für die Aufgabenplanung schon alle möglichen Softwaretools ausprobiert und auch selbst entwickelt habe, ist mir für den Alltag ein Stift und ein Stück Papier am liebsten.
Vor allem diese Aufgaben stehen heute an:
- WordPress-Updates für die Websites meiner Kunden und meine eigenen Websites
Inzwischen vergeht kaum eine Woche in der nicht wichtige oder sogar kritische Sicherheitsupdates für WordPress oder WordPress-Plugins herausgegeben werden. Allein das kostet inzwischen jede Woche ein, bis zwei Stunden Zeit. - Zollstücklisten – Teilaufgabe „Stücklisten des Fertigungsauftrags auflösen„
Seit mehreren Wochen arbeite ich bereits daran, in das Planat-ERP-System für einen meiner Kunden, die Erzeugung von Zollstücklisten einzubauen. Dazu muss ich mich heute damit beschäftigen die sogenannten FA-Stücklisten „aufzulösen“. Was das bedeutet erkläre ich später. - KPI-Masken ergänzen
Für einen Kunden habe ich vor kurzem erweiterte KPI-Masken ins ERP-System eingebaut. KPI bedeutet „Key Performance Indicators“ (auf deutsch: Schlüsselleistungskennzahlen). Hier muss ich bis zum 13.11. einige neue Vertretungen eintragen und außerdem die Leistungskennzahlen auf Projektebene darstellen. Evtl. erledige ich das heute schon, da ich mich sonst erst ab dem 10.11. darum kümmern kann. Das könnte knapp werden.
10:00 Uhr – WordPress-Updates
Die WordPress-Updates für die Kundenwebsites sind fast abgeschlossen.
Die Websites aller meiner Kunden basieren auf dem System WordPress. Es zählt weltweit zu den beliebtesten Content-Management-Systemen bzw. Blogsystemen. Es ist ein bewährtes System mit vielen Ecken und Kanten. Wobei die Vorteile von WordPress die Nachteile meist überwiegen.
Wie gesagt, die Updates sind fast abgeschlossen, allerdings macht bei einer Website das Update des Plugins Polylang Pro Probleme. Wieder einmal.
Auffallend ist, dass der Updateprozess von Polylang Pro nur auf einer sogenannten WordPress-Multisite Probleme macht. Es kommt die Fehlermeldung „Das Aktualisierungspaket ist nicht verfügbar.“

Auf anderen Websites, funktioniert das Einspielen des Updates problemlos.
Nun heißt es, die neue Version des Plugins herunterzuladen und manuell in die Multisite hochzuladen. Es hätte so einfach sein können …
Auch das Hochladen hat zunächst nicht funktioniert. Das Plugin konnte nicht in das Verzeichnis /wp-content/uploads/2026/11 verschoben werden.
Dieser Fehler kann zwei Ursachen haben:
- Festplatte voll
- Keine Schreibberechtigung für das entsprechende Verzeichnis
Ein kurzer Check auf dem Server bestätigt, dass keine Schreibberechtigung für das Verzeichnis vorhanden ist. Aus irgendeinem Grund wurde das Verzeichnis vom root-Benutzer angelegt.
Also Berechtigungen korrigiert und siehe da: Der Upload und die Installation des Plugins funktionieren.
10:35 Uhr – Zollstücklisten anhand von FA-Stücklisten erstellen
Die Erstellung der Zollstücklisten für einen meiner Kunden begleitet mich nun schon seit mehreren Wochen.
Das Planat-ERP-System meines Kunden unterstützt die Erstellung von Zollstücklisten leider nicht nativ.
Bisher hatte Planat eine Zwischenlösung eingebaut. Aus verschiedenen Gründen ist diese Lösung aber nicht mehr gewünscht und ich darf mich dieses Themas annehmen.
Was sind Zollstücklisten?
Mein Kunde exportiert seine komplexen Produkte weltweit.
Diese Produkte bestehen aus hunderten von Einzelteilen. Speziell angefertigte Metallteile, Befestigungselemente wie Schrauben und individuell angefertigte Elektronikkomponenten usw.
Wenn diese Produkte exportiert werden, müssen sogenannte Zollstücklisten erstellt werden. Für alle selbsthergestellten Produkte muss für jedes Einzelteil (sozusagen für jede Schraube) eine Zolltarifnummer oder Zollwarennummer aufgeführt werden und zum Teil auch das Ursprungsland dieses Teils angegeben werden. Bei eingekauften Baugruppen (z. B. einer bereits bestückten elektronischen Leiterplatte), benötigt man jedoch (nur) eine Lieferantenerklärung.
Diese Zollstückliste muss dann für evtl. kommende Prüfungen bereitgehalten werden.
Was sind FA-Stücklisten?
Jeder Artikel verfügt im ERP-System des Kunden über eine Stückliste.
Allerdings können für einen bestimmten Auftrag Positionen der Stammstückliste geändert werden.
In einem solchen Fall wird ein interner Fertigungsauftrag für diesen Artikel erstellt, die Stückliste dieses „FAs“ weicht dann von der Stammstückliste ab.
Für die Erstellung der Zollstückliste muss ich also prüfen, ob es für diese Auftragspositionen einen Fertigungsauftrag gibt, und wenn ja, muss ich die Zollstückliste anhand der speziellen Stückliste dieses FAs erstellen.
Die Herausforderung
Ich muss dabei mehrere weitere Besonderheiten berücksichtigen:
- Die Produktionsmenge des Fertigungsauftrags muss nicht der Menge im Kundenauftrag entsprechen.
Vielleicht nutzt die Abteilung Arbeitsvorbereitung die Chance und produziert zusätzlich zu den bestellten Artikeln auch noch welche auf Lager. Die Menge der Lagerartikel, darf nicht in die Zollstückliste reingerechnet werden. - Was Liste heißt, ist in Wirklichkeit ein Baum
In jeder Stückliste können Baugruppen oder Fertigungsartikel enthalten sein, die wiederum selbst eine Stückliste haben.
Die Stückliste muss also „rekursiv aufgelöst“ werden.
Das erinnert mich an den alten Softwareentwicklerwitz: Wer Rekursion verstehen will, muss zunächst Rekursion verstehen. - Den Zweigen fehlt der Auftragsbezug
Bei den Fertigungsaufträgen der ersten Ebene, gibt es eine klare Zuordnung zur jeweiligen Auftragsposition.
Wenn jedoch in diesem Fertigungsauftrag Baugruppen oder Fertigungsteile enthalten sind, für die es wiederum separate Fertigungsaufträge gibt, fehlt in den FA-Stücklisten der Bezug zur Auftragsposition.
Hier muss ich eine Logik entwicklen, die diese Unter-FAs den korrekten Auftragspositionen zuordnet.
Was für ein Spaß…
Um diesen rekursiven Stücklistenaufbau mit all seinen Randbedingungen und Spezialfällen sauber in eine Zollstückliste zu übersetzen, hilft es ungemein, die Stücklisten und Unterstücklisten schriftlich vor sich zu haben.
Ein Drucker ist also auch in Zeiten der Digitalisierung für einen Entwickler manchmal Gold wert.
15:35 Uhr – Falsche Freunde in der Datenbank
Die Datenbank des Planat-ERP-Systems ist ein über Jahre (oder Jahrzehnte) gewachsenes Projekt.
Dementsprechend gibt es viele Spalten, die früher genutzt wurden, aber heute nicht mehr relevant sind. Z. B. die „hauptfanr“. Beim Überprüfen der Daten in der Datenbank habe ich mir zunächst gedacht: „Ja, das ist genau die Spalte, die ich brauche, um Unter-FAs zuzuordnen.“
Nachdem ich aber eine FAs durchexerziert hatte, habe ich festgestellt, dass diese Spalte nicht zuverlässig befüllt wird. Also: Pustekuchen.
Solche „Falschen Freunde“ zu identifizieren kostet Zeit, Konzentration und Nerven.
17:15 Uhr – Fazit des Tages
Neben ein paar Routinetätigkeiten, wie der Installation der WordPress-Updates, bestand der Tag heute vor allem aus Denkarbeit.
Bei den Zollstücklisten musste ich mir einige Fragen beantworten. Zum Beispiel: Wie hängen die Datenbanktabellen der Fertigungsaufträge, der Fertigungsauftragsstücklisten und der Auftragspositionen zusammen, welche Sonderfälle gibt es und wie muss der saubere Erstellungsprozess für die Zollstücklisten aussehen.
Ich habe für die Auflösung der FA-Stücklisten nun ein Konzept im Kopf, das ich noch verschriftlichen und anschließend in Programmcode umsetzen muss.
Abgeschlossen ist das Thema noch lange nicht, denn die Schritte, die ich heute erarbeitet habe müssen nach der vollständigen Implementierung mit verschiedenen Aufträgen durchgetestet werden und haarklein nachgeprüft werden, damit die erstellten Zollstücklisten auch einer offiziellen Prüfung standhalten.
Die Erweiterung der KPI-Masken habe ich auf kommende Woche verschoben. Da habe ich immer noch 3 Tage Zeit für die Umsetzung.
Hat dir dieser Einblick gefallen?
War dieser Einblick in meinen heutigen Arbeitstag interessant für dich? Hast du Fragen dazu? Oder setzt ihr in der Firma auch das Planat ERP ein und benötigt dabei meine Unterstützung? Lasst es mich gerne in einem Kommentar oder einer E-Mail wissen.

